Kata heisst auf Japanisch Form. Eine Kata ist eine genau festgelegte Abfolge von Techniken, die zwei Judokas zusammen vorführen: Tori führt die Techniken aus, Uke nimmt sie an. Schon die kleinste Abweichung – ein falscher Griff am Revers oder ein Schritt zu viel – gilt als Fehler. Eine Kata zu beherrschen braucht deshalb viel Übung, Geduld und Konzentration. Dafür lernst du die Prinzipien hinter den Techniken kennen: Wer eine Kata korrekt vorführen kann, hat verstanden, wie die Techniken funktionieren.
Kata an der Dan-Prüfung
Neben Technik und Theorie ist die Kata einer der drei Teile jeder Dan-Prüfung (Schwarzgurtprüfung). Die Prüfung nimmt die Dan-Kommission des Schweizerischen Judo & Ju-Jitsu Verbands (SJV) ab. Bewertet wird nicht nur die genaue Reihenfolge, sondern auch die Wirksamkeit, die Harmonie und der richtige Rhythmus.
Für den 1. Dan zeigst du die Nage-no-kata, für den 2. Dan die Katame-no-kata. Welche Kata für höhere Dan-Grade verlangt sind, regelt das Dan-Reglement des SJV, mehr dazu unter Danwesen.
Schon an der Kyu-Prüfung ist Kata eine der Wahlmöglichkeiten: für den Blaugurt eine Gruppe der Nage-no-kata, für den Braungurt die ersten drei Gruppen.
Kata als Wettkampf
Kata wird auch als Wettkampf ausgetragen. Die Paare – Tori und Uke – führen die Kata vor und werden für den korrekten Ablauf und die technische Ausführung bewertet. Wie bei einem Kampfturnier gibt es für die besten Paare Medaillen.
Der SJV trägt jedes Jahr eine Schweizer Meisterschaft in Kata aus, mit Kategorien für verschiedene Kata, für Einsteigende wie für Fortgeschrittene. An internationalen Turnieren und Weltmeisterschaften tritt die Schweiz mit dem Kata-Kader des SJV an.
Auch Wohler Judokas waren schon erfolgreich: Am Nage-no-kata-Turnier in Weinfelden für Judokas mit einer Beeinträchtigung gewann 2021 ein Paar des JAC Wohlen Gold.
Die Kodokan-Kata
Die Kata des Judo stammen aus dem Kodokan, der Schule von Judo-Gründer Kanō Jigorō in Tokio. Heute werden vor allem diese sieben geübt:
- Nage-no-kata (Form der Würfe): 15 Würfe in fünf Gruppen, siehe unten. Gehört zur Prüfung für den 1. Dan.
- Katame-no-kata (Form der Kontrolltechniken): 15 Bodentechniken in drei Gruppen zu fünf – Festhalter (Osae-Komi-Waza), Würgetechniken (Shime-Waza) und Hebeltechniken (Kansetsu-Waza). Gehört zur Prüfung für den 2. Dan.
- Ju-no-kata (Form der Nachgiebigkeit): 15 Techniken, langsam und fliessend vorgeführt. Sie zeigt, wie man nachgibt und das Gleichgewicht bricht.
- Kime-no-kata (Form der Entscheidung): die alte Selbstverteidigungsform mit 20 Techniken, 8 kniend und 12 stehend, gegen Angriffe ohne und mit Waffe.
- Kodokan-goshin-jutsu (Kodokan-Selbstverteidigung): die moderne Form von 1956 mit 21 Techniken im Stehen, gegen Angriffe ohne Waffe und mit Messer, Stock oder Pistole.
- Itsutsu-no-kata (Form der Fünf): fünf Formen ohne Namen, die Angriff und Nachgeben im Bild von Naturkräften zeigen.
- Koshiki-no-kata (alte Form): 21 Techniken aus der Kito-Ryu, ursprünglich für den Kampf in Rüstung. An dieser Jiu-Jitsu-Schule hatte Kanō Jigorō selbst gelernt.
Die Nage-no-kata
Die Nage-no-kata ist für die meisten Judokas die erste Kata. Sie besteht aus 15 Würfen in fünf Gruppen zu je drei, von den Handwürfen bis zu den seitlichen Selbstfallwürfen. Jeder Wurf wird auf beiden Seiten gezeigt, in der Regel zuerst rechts, dann links. Einzig Uki-goshi beginnt links. Zusammen mit der Katame-no-kata bildet sie die Randori-no-kata: Die beiden Formen zeigen die Prinzipien der Techniken, die du im Randori (Übungskampf) brauchst.
Die Bilder zeigen die Würfe allgemein. Wie Angriff, Griff und Schritte in der Kata genau ablaufen, lernst du im Training.
Te-Waza (Hand- und Armwürfe)

Uki-otoshi
Schwebesturz

Seoi-nage
Schulterwurf
In der Kata einarmig, wie Ippon-seoi-nage.

Kata-guruma
Schulterrad
Koshi-Waza (Hüftwürfe)

Uki-goshi
schwebende Hüfte
In der Kata zuerst links, dann rechts.

Harai-goshi
Hüfte wegwischen

Tsuri-komi-goshi
angehobene Hüfte mit Ziehen
Ashi-Waza (Fuss- und Beinwürfe)

Okuri-ashi-barai
beide Füsse wegwischen

Sasae-tsuri-komi-ashi
vorgestellten Fuss blockieren mit Anheben

Uchi-mata
Innenseite des Oberschenkels
Ma-Sutemi-Waza (Selbstfallwürfe nach hinten)

Tomoe-nage
Kreisumwurf

Ura-nage
Rückwurf

Sumi-gaeshi
Eckumwurf
Yoko-Sutemi-Waza (Selbstfallwürfe zur Seite)

Yoko-gake
seitliches Einhängen

Yoko-guruma
seitliches Rad

Uki-waza
Schwebewurf
Bildnachweis
Zeichnungen: Michael Hultström, Wikimedia Commons («Illustrations of Judo techniques by Michael Hultström»), lizenziert unter CC BY-SA 3.0. Die Bilder sind verkleinert und zugeschnitten; diese bearbeiteten Fassungen stehen jeweils unter derselben Lizenz wie das Original.
Die Bilder zu Uki-otoshi, Kata-guruma und Ura-nage stammen nicht von Michael Hultström.