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Wettkampf-ABC

Wie ein Judo-Wettkampf abläuft, wofür es Punkte gibt und was die Rufe des Kampfrichters bedeuten.

Judo ist ein Kampfsport, und das «sich miteinander messen» gehört dazu. Im Wettkampf zeigst du, was du im Training gelernt hast – gegen jemanden, der ungefähr gleich alt und gleich schwer ist wie du. Über das Jahr verteilt gibt es zahlreiche Turniere: vom Kinderturnier wie unserem Chlausturnier über die Aargauer Meisterschaften bis zu nationalen Ranking-Turnieren und internationalen Meisterschaften. Es ist also für alle etwas dabei, für Anfängerinnen und Anfänger genauso wie für Fortgeschrittene.

So wird eingeteilt

Du kämpfst gegen Gleichaltrige mit ähnlichem Gewicht. Eingeteilt wird nach Alter, Geschlecht und Gewicht:

  • Alter: Massgebend ist dein Jahrgang, siehe Altersklassen unten.
  • Gewicht: Bei den Jüngsten kommen meist 4 bis 5 Kinder mit ähnlichem Gewicht in einen Pool, an manchen Turnieren auch noch in U13. Ältere kämpfen in festen Gewichtsklassen.
  • Geschlecht: An kleineren Turnieren und bei jüngeren Kindern kämpfen manchmal Mädchen gegen Knaben.
  • Gürtelfarbe: Sie spielt bei der Einteilung in der Regel keine Rolle. Für den Einstieg gibt es darum Anfänger- und Kinderturniere, zum Beispiel das Kinderturnier in Kulm oder unser Chlausturnier.
Ein Mädchen mit rotem Zusatzgürtel und ein Knabe mit gelbem Gürtel im Kampf auf blau-gelben Matten, dahinter schauen Kinder und Eltern zu.
Mädchen gegen Knabe am Chlausturnier 2021: Bei den Jüngsten kommt das vor.

Altersklassen und Kampfzeiten

U steht für «unter»: In U15 startest du, wenn du im Wettkampfjahr höchstens 14 wirst. Dazu kommen die Veteranen ab 30 Jahren. Würge- und Hebeltechniken sind erst ab U18 erlaubt, der Schritt von U15 zu U18 ist darum gross.

AltersklasseKampfzeitWürgen und Hebeln
U9 und U112 Minutenverboten
U132 oder 3 Minutenverboten
U153 Minutenverboten
U18, U21 und Elite4 Minutenerlaubt

Richtwerte von Schweizer Turnieren. Massgebend ist immer die Ausschreibung des Turniers.

So läuft ein Kampf

  1. 1.

    Aufruf: Du wirst per Lautsprecher oder auf dem Bildschirm aufgerufen und gehst zu deiner Wettkampffläche.

  2. 2.

    Weiss, Rot oder Blau: Damit die Kampfrichter euch auseinanderhalten, trägt eine Person zusätzlich einen weissen, die andere einen roten Gürtel. An grösseren Turnieren kämpft ihr stattdessen in einem weissen und einem blauen Judogi; wer zuerst aufgerufen wird, trägt Weiss.

  3. 3.

    Rei: Ihr verbeugt euch beim Betreten der Wettkampffläche und voreinander.

  4. 4.

    «Hajime»: Der Kampf beginnt, die Uhr läuft.

  5. 5.

    «Matte»: Pause, die Uhr steht. Ihr geht zurück an die Ausgangsposition und wartet auf das nächste «Hajime». Nur jetzt darf dir dein Coach kurz Tipps geben.

  6. 6.

    «Sore-made»: Die Kampfzeit ist um. Mit einem Ippon ist der Kampf schon vorher zu Ende.

  7. 7.

    Sieger: Der Kampfrichter zeigt an, wer gewonnen hat. Ihr verbeugt euch und verlasst die Wettkampffläche.

Gezählt wird nur die reine Kampfzeit: Bei jedem «Matte» bleibt die Uhr stehen. Ein Kampf über 4 Minuten dauert darum oft deutlich länger.

Zwei Mädchen geben sich auf der Matte die Hand, eines mit rotem, eines mit weissem Gürtel. Hinter dem Mädchen mit rotem Gürtel steht ein Kampfrichter in Schwarz, am Rand schauen Kinder und Eltern zu.
Respekt gehört dazu: Handschlag am Chlausturnier 2021. Zur Unterscheidung trägt eine der beiden einen roten Gürtel.

Wertungen

Punkte gibt es für Würfe und für Festhalter am Boden. Seit 2025 kennt Judo wieder drei Wertungen: Ippon, Waza-ari und Yuko. Am Boden zählt, wie lange du jemanden auf dem Rücken festhältst: Bei «Osaekomi» beginnt die Haltezeit, bei «Toketa» (befreit) endet sie.

Zwei erwachsene Judokas im Wettkampf: Einer, mit schwarzem und rotem Gürtel, dreht zu einem Wurf ein. Am Mattenrand sitzt ein Kampfrichter im Anzug.
Eindrehen zum Wurf. Ob es Ippon, Waza-ari oder Yuko gibt, entscheidet die Landung.
  • Zeichnung: Kampfrichter zeigt Ippon an

    Ippon

    Sieg – der Kampf ist sofort vorbei.

    Wurf:
    kontrolliert, mit Kraft und Tempo auf den Rücken
    Festhalter:
    20 Sekunden
    Auch Ippon:
    zwei Waza-ari, oder dein Gegenüber gibt auf
    Handzeichen:
    Arm senkrecht nach oben
  • Zeichnung: Kampfrichter zeigt Waza-ari an

    Waza-ari

    Der Kampf läuft weiter. Ein zweiter Waza-ari ergibt Ippon.

    Wurf:
    fast ein Ippon: Es fehlt etwas Kraft oder Tempo, oder die Landung ist nicht ganz auf dem Rücken
    Festhalter:
    10 Sekunden
    Handzeichen:
    Arm seitlich auf Schulterhöhe, Handfläche nach unten
  • Yuko

    Der Kampf läuft weiter. Mehrere Yuko ergeben nie einen Waza-ari.

    Wurf:
    Landung auf der Seite oder auf dem Gesäss
    Festhalter:
    5 Sekunden
    Handzeichen:
    Arm seitlich schräg nach unten, etwa 45 Grad

Keine Wertung gibt es, wenn jemand auf den Knien oder flach auf dem Bauch landet.

Wer gewinnt, wenn die Zeit um ist?

Ohne Ippon gewinnt, wer mehr Waza-ari hat. Steht es bei den Waza-ari gleich, entscheiden die Yuko. Ein Waza-ari ist also mehr wert als beliebig viele Yuko. Steht es ganz gleich, geht es in den Golden Score.

Aufgeben

Wer aufgibt, klopft mindestens zweimal deutlich ab, mit der Hand oder dem Fuss, oder ruft «Maitta». Die andere Person bekommt dafür Ippon. Abklopfen ist keine Schande: Es schützt dich vor Verletzungen.

Strafen

Für verbotene Aktionen gibt es eine Strafe, den Shido: zum Beispiel, wenn du zu wenig angreifst, absichtlich die Wettkampffläche verlässt oder deinem Gegenüber an die Beine greifst. Ein Shido gibt dem Gegenüber keine Wertung. Erst der dritte Shido entscheidet: Er wird zum Hansoku-make, und der Kampf ist verloren.

Bei gefährlichen oder groben Verstössen gibt es sofort Hansoku-make, zum Beispiel, wenn jemand mit dem Kopf voran in die Matte taucht. Je nach Verstoss scheidet man damit sogar aus dem ganzen Turnier aus.

Gleichstand: Golden Score

Steht es nach der Kampfzeit unentschieden, geht der Kampf in die Verlängerung, den Golden Score. Er hat kein Zeitlimit: Wer zuerst eine Wertung erzielt, gewinnt, und schon ein Yuko reicht. Die Shido aus der regulären Kampfzeit bleiben stehen. Wer mehr Shido hat, verliert deswegen aber nicht – erst der dritte Shido entscheidet, denn er bedeutet Hansoku-make.

An Kinderturnieren kann die Verlängerung anders geregelt sein. Was gilt, steht in der Ausschreibung.

Dein erstes Turnier

Ob ein Turnier für dich passt, besprichst du mit deiner Trainerin oder deinem Trainer. Sie wissen, welche Turniere sich für den Einstieg eignen, wie die Anmeldung läuft und bis wann. Die nächsten Termine findest du in der Agenda. Wer regelmässig kämpfen will, trainiert zusätzlich im Wettkampftraining, siehe Trainingsplan.

Das gehört in die Tasche

  • Judopass mit gültiger Jahresmarke, ohne ihn kannst du nicht starten. Die Jahresmarke zeigt, dass die Lizenz für dieses Jahr bezahlt ist. Was Pass und Lizenz kosten, steht unter Mitgliedschaft.
  • Judogi, sauber, und dein Gürtel. An Kinderturnieren zusätzlich ein roter und ein weisser Gürtel.
  • Weisses T-Shirt unter der Judojacke für Mädchen und Frauen.
  • Badelatschen für den Weg zur Matte.
  • Trinkflasche und Zwischenverpflegung: Zwischen den Kämpfen wartest du oft lange.
  • Trainingsanzug oder warme Kleider für die Wartezeit.
  • Haargummi ohne Metall. Schmuck bleibt zu Hause, Finger- und Zehennägel sind kurz geschnitten.

Am Turniertag

  1. Ankommen: Sei rechtzeitig da und melde dich bei deinem Coach.
  2. Wägen: zu den Zeiten in der Ausschreibung. Die Jüngsten werden meist im Judogi gewogen.
  3. Einteilung: Nach dem Wägen werden die Pools oder K.-o.-Tableaus erstellt. Dort siehst du, gegen wen du kämpfst.
  4. Aufwärmen und warten: Achte auf den Aufruf. Zwischen den Kämpfen trinken, etwas essen und warm bleiben.
  5. Rangverkündigung: Die Besten bekommen eine Medaille, oft gibt es zwei dritte Plätze.

Egal, wie es läuft: Jeder Kampf bringt dich weiter. Die Platzierungen der Wohler Judokas findest du in den Wettkampf-News.

Begriffe von A bis Z

Was die Rufe des Kampfrichters und die Wörter rund ums Turnier bedeuten.

Ausschreibung
Die Einladung zum Turnier: Ort, Zeiten fürs Wägen, Altersklassen, Kampfzeiten und Meldeschluss. Was dort steht, gilt.
Coach
Betreut dich am Mattenrand. Tipps geben darf dein Coach nur, solange der Kampf mit «Matte» unterbrochen ist.
Doppelstart
Start in zwei Altersklassen am gleichen Turnier: in deiner eigenen und in der nächsthöheren. Ob und ab welchem Alter das geht, steht in der Ausschreibung.
Elite
Altersklasse der Erwachsenen.
Fusen-gachi
Sieg, weil dein Gegenüber nicht antritt.
Gewichtsklasse
Je nach Turnier ab U13 oder ab U15 kämpfst du in festen Gewichtsklassen. «−44 kg» heisst: höchstens 44 Kilo.
Golden Score
Verlängerung bei Gleichstand, ohne Zeitlimit: Die erste Wertung gewinnt. Mehr dazu unter Gleichstand.
Hajime
«Anfangen!» Der Kampf beginnt oder geht weiter.
Hansoku-make
Disqualifikation nach dem dritten Shido oder sofort bei einem schweren Verstoss. Der Kampf ist verloren. Mehr dazu unter Strafen.
Hoffnungsrunde
Zweite Chance im K.-o.-System: Einige der Ausgeschiedenen kämpfen weiter um einen dritten Platz. Darum gibt es oft zwei Bronzemedaillen.
Ippon
Höchste Wertung und Sieg. Mehr dazu unter Wertungen.Handzeichen: Arm senkrecht nach oben
Judogi
Der Judoanzug. An grösseren Turnieren trägt eine Seite Weiss, die andere Blau.
Judopass
Ausweis des Schweizerischen Judo & Ju-Jitsu Verbands (SJV). Du brauchst ihn an jedem Turnier, mit gültiger Jahresmarke: Sie zeigt, dass die Lizenz für dieses Jahr bezahlt ist.
Kampfrichter
Leitet den Kampf und vergibt Wertungen und Strafen. Auch der JAC Wohlen stellt eine ausgebildete Wettkampfrichterin.
Kansetsu-waza
Hebeltechniken am Ellbogen. Erst ab U18 erlaubt.
K.-o.-System
Wer verliert, scheidet aus – ausser in der Hoffnungsrunde.
Kumikata
Griffkampf: das Ringen um den besseren Griff am Judogi.
Maitta
«Ich gebe auf.» Meist klopft man stattdessen mindestens zweimal deutlich ab, mit der Hand oder dem Fuss. Die andere Person bekommt Ippon.
Matte
«Warten!» Pause, die Uhr steht. Ihr geht zurück an die Ausgangsposition. Nicht zu verwechseln mit der Matte, auf der ihr kämpft.Handzeichen: Hand auf Schulterhöhe, Handfläche zum Zeitnehmer
Ne-waza
Kampf am Boden.
Osaekomi
«Festhalter!» Die Haltezeit läuft: 5 Sekunden ergeben Yuko, 10 Waza-ari, 20 Ippon.Handzeichen: Kampfrichter beugt sich vor und streckt den Arm zu euch, Handfläche nach unten
Pool
Kleine Gruppe, in der alle gegen alle kämpfen. Bei den Jüngsten meist 4 bis 5 Kinder mit ähnlichem Gewicht.
Ranking-Turnier
Nationales Turnier mit Punkten für die Schweizer Rangliste. Die Ranking-Turniere gelten als Qualifikation für die Schweizer Einzelmeisterschaft (SEM).
Rei
Verbeugung, zu Beginn und am Ende jedes Kampfs.
Shiai, Shiaijo
Wettkampf und Wettkampffläche.
Shido
Strafe für verbotene Aktionen oder zu wenig Angriff. Der dritte Shido ist Hansoku-make. Mehr dazu unter Strafen.
Shime-waza
Würgetechniken. Erst ab U18 erlaubt.
Sono-mama
«Nicht bewegen!» Der Kampfrichter hält den Kampf kurz an, ihr bleibt genau so, wie ihr seid.
Sore-made
«Das ist alles.» Die Kampfzeit ist um.
Tachi-waza
Kampf im Stand.
Tatami
Die Matten der Wettkampffläche.
Toketa
«Festhalter gelöst.» Die Haltezeit stoppt.Handzeichen: Arm nach vorne gestreckt, schnell hin und her bewegt
U9, U11 … U21
Altersklassen. U steht für «unter»: In U15 startest du, wenn du im Wettkampfjahr höchstens 14 wirst. Mehr dazu unter Altersklassen und Kampfzeiten.
Veteranen
Altersklasse ab 30 Jahren.
Wägen
Gewichtskontrolle vor dem Turnier. Wer nicht gewogen ist, kann nicht starten.
Waza-ari
Zweithöchste Wertung. Zwei Waza-ari ergeben Ippon («Waza-ari-awasete-ippon»). Mehr dazu unter Wertungen.Handzeichen: Arm seitlich auf Schulterhöhe, Handfläche nach unten
Yoshi
«Weiter!» Nach «Sono-mama» geht der Kampf genau so weiter.
Yuko
Dritte Wertung, seit 2025 wieder dabei. Mehrere Yuko ergeben nie einen Waza-ari. Mehr dazu unter Wertungen.Handzeichen: Arm seitlich schräg nach unten, etwa 45 Grad

Regeln nachlesen

Die Wettkampfregeln macht der Internationale Judoverband (IJF), in der Schweiz gelten sie über den Schweizerischen Judo & Ju-Jitsu Verband (SJV). Diese Seite fasst die Regeln seit 2025 vereinfacht zusammen. Die IJF präzisiert sie von Zeit zu Zeit, zum Beispiel, welche Landung welche Wertung ergibt. Für Kinder und Jugendliche gibt es Anpassungen, massgebend ist immer die Ausschreibung des Turniers.

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